Kurzinterview: „Nachhaltigkeit wird teuer, wenn sie zu spät kommt“

Warum entsteht der Eindruck, nachhaltiges Bauen sei grundsätzlich teurer? Und weshalb kann ein strukturiertes ESG-Vorgehen genau das verhindern? Justus Sieling, ESG-Consultant der Gottlob-Rommel-Gruppe, erklärt, wo in der Praxis Kosten entstehen – und warum sie sich mit der richtigen Systematik vermeiden lassen.

Herr Sieling, warum hält sich das Vorurteil, nachhaltiges Bauen sei teurer?

„Weil viele Projekte Nachhaltigkeit nicht von Anfang an mitdenken. ESG-Ziele werden formuliert, aber nicht konsequent in Planung und Ausführung integriert. Wenn Anforderungen erst in späteren Leistungsphasen konkret werden, entstehen Anpassungen – und Anpassungen kosten Geld. Nachhaltigkeit selbst ist nicht der Kostentreiber. Der Zeitpunkt ihrer Integration ist entscheidend.“

Wo entstehen in der Praxis die größten Mehrkosten?

„Vor allem an zwei Stellen. Erstens bei der fehlenden Integration in Planung und Ausführung. Häufig werden Kriterien direkt aus Zertifizierungssystemen übernommen, ohne sie projektspezifisch einzuordnen. Das führt zu Mehraufwänden, die mit den eigentlichen Zielen der Bauherrschaft wenig zu tun haben. Zweitens bei der reinen Betrachtung der Investitionskosten. Wenn ein Projekt ausschließlich auf Herstellungskosten optimiert wird, bleiben Lebenszykluswirkungen außen vor. Dabei zeigt sich immer wieder: Eine gezielte Anfangsinvestition reduziert Betriebs- und Instandhaltungskosten deutlich und stärkt die Marktfähigkeit der Immobilie.“

Was macht die Gottlob-Rommel-Gruppe hier anders?

„Wir definieren Nachhaltigkeit nicht als Zusatzanforderung, sondern als Steuerungsgröße. Die nach dem SMART-Prinzip erarbeiteten Ziele werden verbindlicher Leistungsbestandteil für alle Projektbeteiligten. Damit entsteht Klarheit – für Planer, für Fachingenieure und für ausführende Gewerke. Entscheidend ist außerdem die Planungskoordination: Wir stellen sicher, dass das Projektumfeld ab Leistungsphase 1 so strukturiert ist, dass Nachhaltigkeit durchgängig mitgedacht wird – ökologisch, ökonomisch und sozial. Dadurch verhindern wir spätere Korrekturen.“

Welche Rolle spielt dabei die Baupraxis der Gottlob-Rommel-Gruppe?

„Unsere eigene Baukompetenz ist der entscheidende Faktor. Alle Projekte, die wir planen und beraten, können wir als Bau- und Gebäudetechnikunternehmen auch selbst umsetzen und in großen Teilen sogar in Eigenleistung bauen. Diese Verbindung aus ESG-Beratung und praktischer Bauausführung prägt unsere Arbeitsweise. Wir denken Projekte von Anfang an aus der Perspektive der Umsetzung. Dadurch bieten wir Lösungen, die auf der Baustelle auch funktionieren! Mit Gottlob Rommel entstehen also ausschließlich Projekte, die sich wirtschaftlich und technisch realisieren lassen.“

Und wie wirken sich Zertifizierungen auf die Baukosten aus?

„Zertifizierungen werden teuer, wenn sie isoliert betrachtet werden. Wenn sie jedoch die logische Konsequenz klar definierter Projektziele sind, reduziert sich der Aufwand erheblich. Für Bauherren bedeutet das: geringerer Zusatzaufwand im Zertifizierungsprozess, gesicherter Zugang zu Fördermöglichkeiten, langfristig höhere Marktattraktivität und Wertstabilität. Nachhaltigkeit wird damit vom vermeintlichen Kostentreiber zum strategischen Vorteil.“

Ihr Fazit in einem Satz?

„Nachhaltigkeit verteuert kein Projekt – fehlende Systematik schon. Wer früh strukturiert, integriert und den Lebenszyklus bedenkt, baut wirtschaftlich und zukunftssicher zugleich.“

Unsere ESG-Beratungsexpert

Justus Sieling

Innovation & Entwicklung, ESG-Beratung

Justus Sieling

Projektleiter Umweltmanagement, ESG-Berater & DGNB-Consultant


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