Kurzinterview: ESG-konformes Bauen ist, über den Lebenszyklus eines Gebäudes betrachtet, die wirtschaftlichere Lösung

Sarah Jourdan ist bei der Gottlob-Rommel-Gruppe Projektleiterin Nachhaltigkeit und Zertifizierung. Als ESG-Beraterin, DGNB-Consultant sowie BiRN-Auditorin hat sie einen guten Einblick in die Praxis der ESG-Beratung.

Frau Jourdan, Ihr Spezialgebiet ist die Nachhaltigkeitskonzeption sowie die ESG-Betreuung in der Planungsphase. Aus Ihrer Erfahrung: Wo hakt es in der Planungsphase bei ESG am meisten?

„Während wir in der ersten Phase bei der Zieldefinition meist noch ein großes Interesse aller Beteiligten haben, beginnt die Nachhaltigkeitsorientierung in der Planungsphase häufig zu diffundieren: Jeder Planer läuft in eine eigene Richtung, abgesprochene Nachhaltigkeitsziele und wichtige Fördergrundlagen geraten aus dem Blick. Erst kurz vor dem Bauantrag werde ich dann gefragt, ob alle Förder- und Zertifizierungskriterien erfüllt sind. Genau dann hakt es. Wenn die in der Zieldefinition gewünschten Förderungen und Zertifikate abgerufen werden sollen, muss eventuell nachgeplant werden. Das kostet Zeit und Geld.“

Warum ist es im ESG-Bereich so aufwendig, später nachzujustieren?

„Bauherren sollten wissen, dass Nachweissysteme wie beispielsweise die QNG-Zertifizierung oder die EU-Taxonomie feste regulatorische Anforderungen vorgeben, an die man die Planung anpassen muss, nicht umgekehrt. Ab der Entwurfs- und Genehmigungsphase wird der Einfluss auf die Planung deutlich geringer. Nachbesserungen sind dann, wie bereits beschrieben, aufwendig. Das trägt entscheidend zum Ruf von ESG bei, teuer und umständlich zu sein.“

Wie gelingt es Ihnen und dem ESG-Team, solche Nachsteuerungen zu vermeiden?

„Indem wir das Nachhaltigkeitskonzept konsequent in der Planungsphase mitführen. Durch die Planungskoordination sorgen wir dafür, dass die Planung in die richtige Richtung läuft. Wir setzen dazu Projektsteuerungstools ein. Unsere größte Stärke ist jedoch, dass wir transparent darstellen können, was jede Entscheidung in der Planung bezogen auf den Lebenszyklus des Gebäudes bedeutet.“

Die Bauherren sehen also direkt, was nachhaltiges Bauen kostet und wie sich ihre Änderungswünsche auswirken?

„Ja, und das ist ein großer Vorteil für den Planungsprozess. Entschließt sich beispielsweise ein Bauherr, zwei von sechs Photovoltaik-Modulen aus Kostengründen wegzulassen, können wir zeigen, was diese Entscheidung für Förderung, Zertifizierung und Betriebskosten bedeutet. Auch haben wir während des gesamten Projekts das Baubudget unserer Kunden fest im Blick. Wir wissen deshalb aus vielen Praxisbeispielen, dass sich die anfangs höheren Investitionskosten für ESG-konformes Bauen rechnen, weil die Immobilie im Betrieb deutlich günstiger ist. Wenn Nachhaltigkeit wie ein roter Faden durch das Projekt läuft, kann man sagen: ESG-konformes Bauen ist unterm Strich und über den Lebenszyklus eines Gebäudes betrachtet, die wirtschaftlichere Lösung.“ 

Zum Schluss die Frage, die sich Ihre Kunden sicherlich zuerst stellen: Beratungsleistung kostet Geld. Wie rechnet sich Ihre ESG-Beratung für den Kunden?

„ESG-konforme Bauprojekte sind komplex. Kleine, nebenbei getroffene Planungsänderungen können, wie beschrieben, große Auswirkungen auf die Zertifizierung und somit auch die Förderung haben. Ein Beratungsteam, das sowohl ESG-Expertise als auch Know-how im Bauwesen mitbringt sowie auf ein breit aufgestelltes Team in der Baubranche und der Gebäudetechnik zurückgreifen kann, rechnet sich. Denn eine fachkompetente Planungsbegleitung stellt die Zertifizierung und damit die Förderung sicher, verringert nachweislich Fehler und vermeidet teure Nachplanungen. Zudem beachten wir während des gesamten Projekts die in Phase 1 unseres ESG-Beratungsmodells formulierten Kundenwünsche. Es gibt dadurch kein Spannungsfeld zwischen ESG-Anforderungen und Kundenwunsch, sondern ein nachhaltiges Gesamtprojekt.“

 

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