
Das Großprojekt Klett-Areal auf einen Blick
Das Klett-Areal im Stuttgarter Westen ist seit mehr als einem Jahrhundert gewachsen und soll als zentraler Standort der Klett Gruppe am Feuersee erhalten bleiben. Auf dem rund 11.600 Quadratmeter großen Gelände wird der historisch gewachsene Gebäudebestand derzeit umfassend weiterentwickelt. Acht der insgesamt 17 Gebäude sind Teil der Transformation: Bestandsgebäude werden saniert, erweitert oder teilweise zurückgebaut; zwei Neubauten ergänzen das Areal. Es gibt rund 850 Arbeitsplätze auf dem Areal, an denen insgesamt etwa 1.150 Menschen arbeiten. Ziel der Bauherrenschaft ist es, möglichst viel historische Bausubstanz zu erhalten und an heutige Anforderungen anzupassen. Gleichzeitig wird die dichte Überbauung im Blockinneren reduziert: Entsiegelte und begrünte Freiflächen sollen die Gebäude künftig zu einem zusammenhängenden Campus verbinden. Das Transformationsprojekt ist Teil der IBA’27 und soll 2027 abgeschlossen werden.
Baukompetenz über die Gewerke hinweg
Für die Gottlob-Rommel-Gruppe reicht die Aufgabe dabei weit über die klassische Rohbauerstellung hinaus. Die Unternehmensgruppe verantwortet die Leistungspakete Rohbau, Gebäudehülle, Außenanlagen und Elektrotechnik und wirkt damit an wesentlichen Schnittstellen zwischen Bestand, Erweiterung, technischer Ausrüstung und Freiraum mit. Gerade bei einem heterogenen Gebäudebestand verlangt das eine enge Verzahnung von Planung und Ausführung: Bestehende Konstruktionen müssen weiterentwickelt, neue Bauteile integriert und innovative Materialien so eingesetzt werden, dass technisch belastbare und ausführbare Lösungen entstehen.
Die organisatorische Grundlage dafür bildet die Integrierte Projektabwicklung (IPA) mit Mehrparteienvertrag. Gottlob Rommel ist gemeinsam mit den weiteren Projektpartnern früh in Planungs- und Entscheidungsprozesse eingebunden. Lean-Management-Methoden und digitale Werkzeuge unterstützen die kollaborative Projektorganisation. Das heißt: Technische Varianten und mögliche Risiken werden nicht erst auf der Baustelle oder getrennt nach Gewerken bearbeitet, sondern über die Projektphasen hinweg gemeinsam bewertet. Gerade bei einem komplexen Sanierungs- und Transformationsvorhaben schafft diese Arbeitsweise die Voraussetzung, Ausführungskompetenz frühzeitig in die Planung einfließen zu lassen.
Re-Use wird zur Ingenieuraufgabe
Wie eng die Anforderungen der Bauherrenschaft mit Planung und Ausführung zusammenspielen, zeigt beispielsweise das Mauerwerk bei der Erweiterung zweier Bestandsgebäude auf dem Klett-Areal. Für die tragenden Außenwände werden dort historische Vollziegel aus dem Rückbau einer Mälzerei in Mannheim wiederverwendet. Anders als industriell gefertigte Neuprodukte weisen die Re-Use-Ziegel größere Schwankungen bei Abmessungen, Druckfestigkeit und Wasseraufnahme auf. Ihre Materialkennwerte wurden deshalb chargenweise untersucht und Konstruktion sowie Ausführung darauf abgestimmt. Aufgrund der hohen und unterschiedlichen Wasseraufnahme der Ziegel musste auch der Mauermörtel projektspezifisch angepasst werden.
Re-Use stellt damit besondere Anforderungen an Planung und Bauausführung: Ein vorhandener Baustoff lässt sich nicht ohne Weiteres in eine neue Konstruktion übernehmen. Materialprüfung, Tragwerksplanung, Baustoffentwicklung und handwerkliche Ausführung müssen aufeinander abgestimmt werden. Für Gottlob Rommel liegt die Innovationsleistung darin, gemeinsam mit den Projektbeteiligten aus diesen besonderen Rahmenbedingungen eine technisch belastbare und ausführbare Lösung zu entwickeln.
Dies war nur ein Beispiel aus dem komplexen Großprojekt – über das Klett-Areal haben wir noch viel mehr zu erzählen: zum Beispiel über das Zusammenspiel von Bestand und Neubau, Re-Use und moderner Bautechnik, aber auch über eine Projektorganisation, bei der die Beteiligten gemeinsam an Lösungen arbeiten. In der nächsten Ausgabe des Serviceletters schauen wir deshalb genauer hinter die Kulissen des Projekts und zeigen, welche Erfahrungen sich aus der Arbeit mit Re-Use-Materialien und der Integrierten Projektabwicklung für weitere Bauvorhaben ableiten lassen.
Mehr zum Thema “Integrierte Projektabwicklung (IPA)” im Interview mit Nikolai Pauli.

