Interview Zukunft des Pflegeheimbaus: Große Herausforderungen im Pflegeheim-Neubau

Herr Vural, Ihr Unternehmen ist seit rund 40 Jahren im Pflegeheimbau tätig und Sie haben Stammkunden, für die Sie bereits über 20 Pflegeheime gebaut haben - wie stellt sich die aktuelle Situation im Pflegeheimbau derzeit dar?
Uğur Vural: „Die Lage ist herausfordernd. Hohe Zinsen, steigende Energie‑ und Personalkosten und die ausstehende Novellierung der HeimBauVO führen dazu, dass viele Neubauprojekte ruhen oder verschoben werden. Gleichzeitig bleibt der Bedarf an modernen Einrichtungen hoch – vor allem aufgrund der demografischen Entwicklung und vieler Bestandsgebäude aus den 70er‑ und 80er‑Jahren, die dringend erneuert werden müssen. Eine Sanierung ist hier allerdings meist schwierig: Sie kann beispielsweise an den aktuellen baulichen Vorgaben scheitern, die in Bestandsgebäuden nur mit unverhältnismäßig großem Aufwand erfüllbar wären oder die räumliche Lage lässt einen zeitgemäßen Umbau nicht zu.“
Welche Möglichkeiten sehen Sie für Pflegeheimbetreiber, trotz der schwierigen Rahmenbedingungen wirtschaftlich und planbar zu bauen?
Uğur Vural: „Wirtschaftlichkeit und Planbarkeit im Pflegeheimbau und beim betreuten Wohnen erreichen wir mit dem Schlüsselfertigbau. Die Gottlob-Rommel-Gruppe übernimmt hier alle Bauleistungen aus einer Hand – von der Planung über die Koordination bis zur Umsetzung. Das reduziert Schnittstellen und ermöglicht durch unser ausgefeiltes Lean Management verlässliche Abläufe. In Kombination mit industrieller Vorfertigung, nachhaltigen Materialien und klar strukturierten Bauprozessen entsteht ein wirtschaftlicher und qualitativ hochwertiger Neubau zu definierten Kosten.“
Nun gelten im Pflegeheimbau deutlich höhere bauliche Anforderungen als im klassischen Wohnungsbau. Wie kombinieren Sie im Schlüsselfertigbau industrielle Vorfertigung und Systembau, um diese komplexen Standards effizient zu erfüllen?
Uğur Vural: „Unsere Stärke liegt in der Kombination aus langjähriger Projekterfahrung, hoher Eigenleistungskompetenz, insbesondere im Rohbau und der Gebäudetechnik, und einem verlässlichen Nachunternehmernetzwerk. Zusätzlich entwickeln wir aktuell ein auf den Pflegeheimbau zugeschnittenes Konzept auf Grundlage unserer rovio-Systembaulösung. Es basiert auf industriell vorgefertigten Flächenelementen. Diese serielle Bauweise verkürzt die Bauzeit spürbar, ermöglicht eine hohe und gleichbleibende Qualität und unterstützt nachhaltige, energieeffiziente Konstruktionen, etwa im Holzyhybridbau mit Betontragwerk.“
Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit im Pflegeheimbau?
Uğur Vural: „Nachhaltigkeit wird integraler Bestandteil jeder Planung. Wir betrachten Gebäude zunehmend mit der Lebenszyklusanalyse und planen flexible Grundrisse, die spätere Umbauten erleichtern. Energieeffizienz und Materialeinsparungen verbessern die Wirtschaftlichkeit und eröffnen Zugang zu Förderprogrammen. Das ist ein entscheidender Vorteil für Betreiber. In der Gottlob-Rommel-Gruppe können wir durch die enge Zusammenarbeit unserer Fachabteilungen, wie etwa der ESG-Beratung: "Kompetenzen bündeln und zum Beispiel eine wirtschaftlich umsetzbare Zertifizierung ermöglichen. Hierfür haben wir eigene zertifizierte DGNB-Auditoren und DGNB-Consultants, die unsere Kunden in Ihrer Bauaufgabe begleiten.“
Welche Fördermöglichkeiten stehen Pflegeheimbetreibern heute zur Verfügung?
Uğur Vural: „Es gibt aktuell wieder attraktive Förderprogramme auf Bundesebene. Unsere Fördermittelberatung unterstützt Betreiber frühzeitig dabei, passende Programme auszuwählen und Anträge korrekt vorzubereiten. Diese Beratung ist fester Bestandteil unserer Planungs‑ und Projektbegleitung.“
Gibt es ein aktuelles Leuchtturmprojekt im Bereich Pflegeheimbau, bei dem die Gottlob-Rommel-Gruppe beteiligt ist?
Uğur Vural: „Ja. Ein sehr gutes Beispiel ist das Seniorenzentrum St. Anna in Schwäbisch Gmünd. Dort war die Gottlob‑Rommel‑Gruppe als Generalunternehmer für die gesamte schlüsselfertige Erstellung des Gebäudes verantwortlich. Wir realisierten hier den neuesten Stand der Gebäudetechnik, unter anderem mit Wärmerückgewinnung und Gebäudeautomation. Das Bauvorhaben wurde nach dem Baustandard KfW40 gefördert. Das Seniorenzentrum setzt ein modernes Pflegekonzept um, das auf kleinen Wohngruppen basiert und eine familiäre Atmosphäre schafft. Solche Hausgemeinschaftsmodelle werden im künftigen Pflegeheimbau eine wichtige Rolle spielen.“
Vielen Dank für das Gespräch!
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