Im Interview: Frank Scheible
Im Interview erklärt er, welche Fehler Bauherren vermeiden sollten und warum sich die Qualität eines Bauprojekts bereits vor dem ersten Spatenstich entscheidet.
Herr Scheible, Sie besitzen eine langjährige Erfahrung bei Bauprojekten im Bereich der TGA. Aus Kundensicht gefragt: Wo liegen derzeit die größten Herausforderungen für Bauherren in der Gebäudetechnik?
„Wir leben in dynamischen Zeiten. Förderprogramme ändern sich ebenso schnell wie gesetzliche und technische Rahmenbedingungen. Gleichzeitig ist der wirtschaftliche Druck auf Bauherren spürbar gestiegen. Kosten steigen, Zinsen belasten Investitionen und Bauvorhaben werden komplexer. Viele Kunden stellen sich deshalb die Frage, ob ihre Entscheidungen für die technische Gebäudeausrüstung von heute auch morgen noch tragfähig sind. Hinzu kommt die Unsicherheit, wie sich zukunftsfähige Gebäude errichten oder Bestandsgebäude technisch sinnvoll sanieren lassen.“
Bauen war schon immer kostenintensiv und anspruchsvoll. Was hat sich im Vergleich zu früher verändert?
„Früher konnten Bauherren bei der Gebäudetechnik häufig auf eigene Erfahrungswerte und eine gewisse Grundorientierung zurückgreifen. Heute ist für die meisten Bauherren die Komplexität der technischen Gebäudeausrüstungstrong> kaum noch greifbar. Das heißt, sie müssen erfahrene Fachplaner finden, die das Bauprojekt von Anfang an kompetent betreuen. Kritisch wird es, wenn ein Dienstleister die Interessen des Bauherrn fachlich oder wirtschaftlich zu wenig mitführt. Das zeigt sich oft erst, wenn das Projekt weit fortgeschritten ist. Dann stellt sich heraus, dass zu Beginn definierte Parameter nicht mehr oder nur mit erheblichem Mehraufwand umsetzbar sind und die Planung angepasst werden muss. Das kostet Zeit, Geld und Vertrauen!“
Wie können Bauherren diesen Herausforderungen begegnen? Und wie unterstützt die Gottlob-Rommel-Gruppe ihre Kunden dabei?
„Nach meiner Erfahrung ist es entscheidend, Ziele frühzeitig und präzise zu definieren. Bauherren sollten sich von Beginn an Gedanken machen, welche Anforderungen sie an ihr Gebäude stellen, um dieses langfristig nutzen zu können. Wer etwa eine 1.000 Quadratmeter große Produktionshalle baut, sollte nicht nur die heutige Nutzung betrachten, sondern zugleich Szenarien für die nächsten zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahre mitdenken. Möglich wären in diesem Fall spätere Parzellierungen oder die Umwandlung in andere Nutzungsflächen wie beispielsweise Büros, Versammlungsstätten oder dergleichen. Das bedeutet: strategisch und ganzheitlich planen, erfahrene Fachplaner früh einbinden und den gesamten Lebenszyklus in einer integralen Planung betrachten. Dazu gehören Investition, Wartung, Betrieb und spätere Anpassungen. Die Gottlob-Rommel-Gruppe unterstützt ihre Kunden dabei mit technischer Kompetenz, strukturierter Beratung und einem Blick auf das gesamte Gebäude, statt einzelne Gewerke isoliert zu betrachten. Dabei profitieren unsere Kunden davon, dass wir die verschiedenen Gewerke und Projektphasen ganzheitlich betrachten und koordinieren.“
Welchen Rat geben Sie Bauherren, die jetzt ein Bauvorhaben planen? Welche Fehler erleben Sie besonders häufig?
„Mein wichtigster Rat ist: ausreichend Zeit und Sorgfalt bereits ab der frühen Planungsphase zu investieren. Noch immer erleben wir, dass möglichst schnell gebaut werden soll und die Planung begleitend zur Ausführung läuft. Das mag auf den ersten Blick effizient erscheinen, führt in der Praxis aber häufig zu Kollisionen der verschiedenen Gewerke, Umplanungen und teuren Nachbesserungen. Bauherren sollten deshalb früh Klarheit über ihre Ziele, die Gebäudetechnik und die Anforderungen an das Projekt gewinnen. Wenn die Planung vor Baubeginn ausreichend weit gediehen ist, lässt sich in der Regel deutlich budget- und terminsicherer bauen.
Ein häufiger Fehler ist außerdem, Entscheidungen zu stark aus der kurzfristigen Investitionsperspektive zu treffen. Wer allein auf den Anschaffungspreis schaut, verliert Betriebskosten, Wartung, Flexibilität und Förderfähigkeit schnell aus dem Blick. Ob ein heutiges Konzept in fünf Jahren noch trägt, lässt sich nur beantworten, wenn das Gebäude als langfristiges System verstanden wird.“
ROI, Förderung und Zukunftssicherheit spielen dabei eine große Rolle. Kann man heute überhaupt sicher sein, dass sich eine Investition in moderne Gebäudetechnik lohnt?
Eine absolute Sicherheit gibt es in einem dynamischen Markt selten bis nie. Aber man kann die Grundlage für belastbare Entscheidungen schaffen: durch eine saubere Analyse, realistische Szenarien und eine Planung, die auf Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus ausgerichtet ist. Dann wird sichtbar, ob und wann sich Investitionen in moderne Gebäudetechnik rechnen. Fördermöglichkeiten können dabei ein wichtiger Baustein sein. Sie sollten aber immer in ein tragfähiges Gesamtkonzept als Teil des Ganzen eingebettet werden.“
Viele Bauherren erleben die Koordination der einzelnen Gewerke als große Herausforderung. Oft sitzen mehrere Fachplaner mit am Tisch und der Bauherr muss moderieren. Wie bewerten Sie das?
„Das kenne ich aus der Praxis sehr gut. Bei vielen Projekten kann ein Generalunternehmer Vorteile bieten, insbesondere wenn komplexe Schnittstellen koordiniert werden müssen. Viele Bauherren befürchten zwar, sich damit zu stark an einen Dienstleister zu binden. In der Praxis kann das Gegenteil der Fall sein: Wenn Schnittstellen sauber definiert und eindeutig kanalisiert sind, es einen zentralen Ansprechpartner gibt und die technische Gebäudeausrüstung gebündelt gesteuert wird, entstehen qualitativ hochwertige Projekte, die im vereinbarten Zeitrahmen und unter Einhaltung der Kostenprognosen umgesetzt werden können.“
Gebäude müssen technisch funktionieren und zugleich zu den Menschen passen, die darin arbeiten oder wohnen. Wie gelingt diese Abstimmung?
Am Anfang steht die genaue Frage nach der Nutzung. Wer nutzt das Gebäude? Wie können sich Abläufe im späteren Nutzungsverlauf eventuell verändern? Welche Anforderungen stellen Komfort, Energieeffizienz, Betrieb und Wartung? Gebäudetechnik sollte immer vom Gebäude und seinen Nutzerinnen und Nutzern her gedacht werden. Das gilt besonders für Gebäudeautomation. Sie kann erhebliche Effizienzpotenziale erschließen, etwa bei Wärme, Strom, Lüftung und deren gesamtheitliche Steuerung. Entscheidend ist jedoch, dass die Technik nicht zum Selbstzweck wird. Gute Gebäudetechnik unterstützt den Betrieb, reduziert Aufwand und erhöht die Qualität der Nutzung.
Was zeichnet den Geschäftsbereich Gebäudetechnik bei der Gottlob-Rommel-Gruppe aus Kundensicht besonders aus?
„Die eigene Gebäudetechnik-Kompetenz ist ein wichtiges Differenzierungsmerkmal der Gottlob-Rommel-Gruppe. Gerade bei schlüsselfertigen Bauvorhaben hilft uns das, Budgets und Termine verlässlich im Blick zu behalten. Hinzu kommt, dass wir durch unsere ESG-Beratung frühzeitig Fördermöglichkeiten identifizieren, Projektziele konsequent mitführen und sicherstellen, dass am Ende ein Gebäude entsteht, das den ursprünglich definierten Anforderungen entspricht. Kurze Wege, hohe Eigenleistung und klar definierte Qualität sind dabei zentrale Erfolgsfaktoren.“
Wechseln wir vom Neubau zur Sanierung im Bestand. Hier ist die Aufgabe oft noch anspruchsvoller, etwa in innerstädtischen Lagen oder in vermieteten Objekten, die während der Bauphase weiter genutzt werden. Worauf sollten Bauherren besonders achten?
„Gerade beim Sanieren im Bestand gilt: Vor Baubeginn muss detailliert geklärt werden, wie das Gebäude künftig genutzt werden soll. Voraussetzung dafür ist eine ganzheitliche Bestandsanalyse.
Wir erleben häufig, dass Bauherren mit konkreten Vorstellungen bei der technischen Gebäudeausrüstung in ein Projekt gehen. Im konkreten Objekt ist diese Lösung aber nicht immer die beste oder wirtschaftlichste. Deshalb sollte die Gebäudetechnik immer in Abhängigkeit von der vorhandenen Bausubstanz gewählt werden. In der späteren Projektrealisierung ist speziell bei Sanierungen im laufenden Betrieb ein kleinteilig und detailliert durchgetakteter Bauzeitenplan mit Abstimmung aller beteiligten Gewerke von elementarer Bedeutung.“
Zum Schluss der Blick nach vorn: Wie wird die Gebäudetechnik im Jahr 2036 aussehen? Werden wir dann noch selbst ein Fenster öffnen dürfen?
„Die Gebäude der Zukunft werden deutlich intelligenter, digitaler und nachhaltiger vernetzt sein. Meine Zukunftsvorstellung ist, dass eine gute Gebäudetechnik für die Nutzerinnen und Nutzer zunehmend unsichtbar wird, weil sie sich intelligent, KI-gestützt an Lebensstil und Nutzungsrhythmen anpasst. Gebäude werden mehr Energie selbst erzeugen, Speicher intelligenter nutzen und ihre Systeme vorausschauend steuern, zum Beispiel auf Basis von Wetterdaten oder auch mit einer kontinuierlichen Überwachung der Luftqualität. Ob man dann noch jederzeit bedenkenlos das Fenster öffnet? Technisch möglich ist das natürlich. Aber genau daran zeigt sich: Bei aller Effizienz muss der Mensch immer mitgedacht werden.“
Vielen Dank für das Gespräch.

