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Praktische Prüfung am Bau oder: Pokalendspiel!

Wer sich für eine Ausbildung auf dem Bau entscheidet, kann sicher sein: Dabei erworbenes Können und Wissen hält ein Arbeitsleben lang, öffnet viele Karrierepfade und ist garantiert geprüft. Aber: Wie läuft eine solche Prüfung am Bau überhaupt ab?

v. l.: Herr Weinschenk (Steinbeisschule Stuttgart), Herr Bläsi (ehem. Rektor der Steinbeisschule Stuttgart), Peter Regelmann, Lucas Regelmann, Christian Denzinger, Frau Kletzin (Steinbeisschule Stuttgart), Ulrich Scheible

Stuttgart, im Juni 2019. Der junge Kollege da oben auf dem Foto, das ist Lucas Regelmann. Lucas hat Mitte Januar seine Ausbildung zum Stahlbetonbauer abgeschlossen. Ein halbes Jahr vorzeitig und mit der Note 1,3! Auf der Lossprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft Stuttgart Anfang April wurde er dafür als einer der drei Jahrgangsbesten ausgezeichnet. Herzlichen Glückwunsch, Lucas!

 

Nun ist Bauen trotz aller technologischen Entwicklungen und der Digitalisierung unserer Branche immer noch ein Handwerk, das sich jeder über viele Jahre aneignet und perfektioniert. Lucas Regelmann ist den ersten Schritt gegangen und hat seine Ausbildung zum Beton-/Stahlbetonbauer bei Gottlob Rommel in nur zweieinhalb Jahren geschafft. Nun ist er Jung-Geselle. Gute Leistungen auf den Baustellen und sein Abitur vor der Ausbildung waren der Schlüssel für die Verkürzung der Ausbildungszeit. Und natürlich der Tag der Prüfung an seiner Berufsschule, der Steinbeisschule Stuttgart. Aber was macht so eine praktische Prüfung für künftige Maurer oder Beton-/Stahlbetonbauer eigentlich aus und worauf kommt es dabei an?

 

Maurer oder Beton-/Stahlbetonbauer, beide sind klassische Ausbildungsberufe und gleichermaßen gefragt, wenn es darum geht, hochqualitative und moderne Wohnhäuser oder Gewerbebauten zu bauen. Beide vereinen traditionelle Handwerkskunst mit vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten, etwa in der Denkmalsanierung oder dem Ingenieurbau.

 

So läuft eine Maurerprüfung 2019 ab:

  • Morgens gegen 7:30 Uhr geht es los mit einer Theorieaufgabe: Die Auszubildenden erhalten die Skizze eines Mauerwerkskörpers. Aufgabe ist nun, den dafür nötigen Bedarf an Steinen und Mörtel auszurechnen. Das sogenannte Tabellenbuch Bau hilft bei der korrekten Mengenbestimmung in Stück und Litern. Zweiter Teil der Aufgabe ist es, einen Fugenplan des skizzierten Mauerwerkskörpers zu entwickeln - Schicht für Schicht. Ziel ist eine optisch und technisch hochqualitative Mauer mit sauber versetzten Fugen.
  • Der zweite Teil der praktischen Prüfung findet in der Werkhalle statt: Die Maurer- Auszubildenden mauern mit Kalk, Sand und Wasser "ihr" Mauerwerk - nach dem selbst erstellten Fugenplan und direkt auf den Hallenboden. Ohne Beton, weil diese Prüfungsmauer ja hinterher wieder abgebrochen wird. Die Qualitätsanforderung lautet: Sichtmauerwerk, also saubere Steine sauber ausgefugt. "Das Fugenbild zeigt sofort, ob einer das kann", sagt Ulli Scheible, seit über 20 Jahren Ausbildungsbetreuer bei Gottlob Rommel.
  • Die dritte Teilaufgabe ist die Arbeit mit dem digitalen Laser-Nivelliergerät: Wenn ein Gebäude mehrere Dutzend Meter lang ist, kann niemand mehr per Augenmaß sagen, ob eine Geschossfläche auch zu einhundert Prozent eben ist. Die dafür nötigen digitalen Helfer muss ein Maurer beherrschen.
  • Vierter und letzter Teil: Der Aufbau einer kleinen Betonschalung mit innenliegender Stahlbewehrung.
  • Denn Maurer und Stahlbetonbauer sind zwar unterschiedliche Ausbildungsberufe, auf der Baustelle aber müssen sich beide perfekt ergänzen.

 

So läuft eine Prüfung zum Beton-/Stahlbetonbauer 2019 ab:

  • Auch hier erwartet die Auszubildenden morgens in der Früh eine Theorieaufgabe: Eine zu erstellende Zeichnung einer Betonschalung mit Bewehrungskorb soll zeigen, ob ein Prüfling verinnerlicht hat, worauf es dabei ankommt. Zum Beispiel auf den Bügelabstand des Stahlgeflechts. Es folgt die Berechnung des benötigten Materials, des Holzes für die Schalung in Quadratmetern und des Bewehrungsstahls in Kilogramm. Das bereits erwähnte Tabellenbuch Bau listet dafür Standards und Erfahrungswerte. Es darf bei der Prüfung benutzt werden.
  • Der zweite Teil der Prüfung findet auch für die Beton-/Stahlbetonbauer in der Werkhalle statt: Die Auszubildenden schneiden ihr Material zurecht, also die Schalungsbretter und die Baustahlstäbe. Auf dem Boden der Halle liegt für den Aufbau der Schalung ein Schalboden als Auflagefläche bereit, denn in einen Betonboden kann man keine Nägel schlagen. Wichtig: Auch die Stahlbetonbauer müssen höchste Qualität zeigen. Gefordert ist Sichtbeton, also Beton, der optisch so hochwertig gegossen wurde, dass er nicht mehr verputzt werden muss.
  • Dritter Teil der Prüfung ist, wie für die Maurer auch, die Arbeit mit dem digitalen Laser-Nivelliergerät.

 

Wenn der Prüfungstag dann gegen 16 Uhr endet, haben die Prüflinge einen ganzen Tag lang hochkonzentriert gearbeitet. Welches Gefühl hat man am Ende eines solchen Tages? "Ich war enorm erleichtert, als ich es hinter mir und alle Aufgaben in der vorgegebenen Zeit erledigt hatte. Aber ich war auch stolz darauf, was ich dank meiner Ausbildung schon alles kann", sagt Jung-Geselle Lucas Regelmann.

 

Ulli Scheible, der Ausbildungsbeauftragte, ist bei Prüfungen oft dabei und fiebert in der Regel mit: "Die jungen Männer laufen am Prüfungstag zur Höchstform auf und die meisten wachsen dabei sogar ein bisschen über sich hinaus. Das ist wie Pokalendspiel: Heute gilt's!"

 

Übrigens: In den Wochen vor der Prüfung unterstützen wir unsere Auszubildenden bei der Vorbereitung - in Theorie und Praxis. Das hat sich bisher immer gelohnt: Schließlich übernimmt Gottlob Rommel seine Auszubildenden nach erfolgreicher Ausbildung.

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